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Halogene Reaktionen
 
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colonia
Gast





BeitragVerfasst am: 03. Sep 2012 21:17    Titel: Halogene Reaktionen Antworten mit Zitat

Meine Frage:
Hallo!

Aus dem Internet habe ich mir eine PDF-Datei mit Prüfungsaufgaben heruntergeladen:

http://rkuhnke.eu/Chemie/Aufgaben Anorganik.pdf

Die für mich interessanten Aufgaben habe ich zum teils bearbeitet (Teil 2), aber ich komme mit einigen nicht so ganz klar bzw. bin mir nicht sicher, ob meine Antworten stimmen...es wäre nett, wenn jemand das überprüfen könnte smile


Meine Ideen:

6c) Wie verhalten sich die Salze KF, KCl;, KBr und KI gegenüber heißer
konzentrierter Schwefelsäure? Formulieren Sie alle eventuell ablaufenden
Reaktionen und deuten Sie das unterschiedliche Verhalten der Salze!



Wenn man H2SO4 mit 2KF oder 2KCl umsetzt entstehen HF und K2SO4 oder HCl und K2SO4. KBr und KI würden zu den Halogenen oxidiert.


7a) Beschreiben und formulieren Sie die Darstellung der Natriumsalze der drei Halogen(I)-säuren aus den Halogenen!"




X= F, Cl, Br, I


b) Formulieren Sie die Reaktionen von Natriumhypochlorit
- beim Ansäuern mit Salzsäure
- gegenüber Natriumiodat und
- gegenüber Hydrogenperoxid!





Bei der Aufgabe mit H2O2 hatte ich keine Ahnung, wie ich das machen sollte...
Cyanose



Anmeldungsdatum: 27.08.2012
Beiträge: 135
Wohnort: Dresden

BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 12:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hypochlorit + Wasserstoffperoxid: Du hast sowohl das Chlor reduziert (von +I zu +/-0) als auch den Sauerstoff im Peroxid (von -I zu -II), aber nichts wird oxidiert. So kann natürlich niemals eine Reaktion verlaufen. Wo was oxidiert wird, muss auch was reduziert werden.

H2O2 ist Redoxamphoter, kann also prinzipiell als Oxidations- oder Reduktionsmittel fungieren. Im Falle der Funktion als Reduktionsmittel entsteht O2.

Ich vermag ohne elektrochemische Spannungsreihe nur vermuten, was da ablaufen könnte und würde wie folgt formulieren:



Diese Reaktion kann natürlich auch realitätsfremd sein, da ich es wie gesagt nicht weiß, sondern nur vermute. Die Reaktion tritt wahrscheinlich mit kinetischer Hemmung auf.

Gruß, Patrick

_________________
derzeit 4. Semester, Chemie, Bachelor


Zuletzt bearbeitet von Cyanose am 04. Sep 2012 17:43, insgesamt einmal bearbeitet
colonia
Gast





BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 16:50    Titel: Antworten mit Zitat

Sehe ich das irgendwie falsch, oder wird in deiner Gleichung das ClO- zu Cl- reduziert und das H2O2 zu H2O und O2?

Ich habe jetztmal in der Elektrochemischen Spannungsreihe nachgeguckt...jetzt würde ich die Reaktion so formulieren:



ich schreib mal meine teilgleichungen an, aber schon an der stöchiometrie erkennt man, dass irgendwas nicht stimmt...



abgesehen von meiner stöchiomerie müsste die Reaktion aber doch so stimmen, oder?
Daniel35
Gast





BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 17:01    Titel: Antworten mit Zitat

Das ist eben stark pH-Abhängig.
colonia
Gast





BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 17:25    Titel: Antworten mit Zitat

Die ursprüngliche Aufgabenstellung war:

Zitat:
b) Formulieren Sie die Reaktionen von Natriumhypochlorit
- beim Ansäuern mit Salzsäure
- gegenüber Natriumiodat und
- gegenüber Hydrogenperoxid!


Es steht aber nicht bei welchem pH-Wert die Reaktion abläuft. Dann kann ich ganz naiv diese Reaktionsgleichung für diese Aufgabe formulieren? Und wo genau habe ich eigentlich einen Fehler gemacht, die Stöchiometrie stimmt deswegen nicht...
magician4
Administrator


Anmeldungsdatum: 05.10.2009
Beiträge: 11716
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 17:31    Titel: Antworten mit Zitat

zu 6 c)
da fehlen natuerlich die umsatzgleichungen ("Formulieren Sie.."), und wohl besonders schmerzhaft die redoxreaktionen mit bromid, iodid.
ein satz zur deutung (spannungsreihe, welche redoxpotentiale sind groesser oder kleiner als der vorgang SO3 + 2 e- --> SO2 + O2- , welche vorgange finden daher statt resp. eben nicht ?) scheint mir ebenfalls gewuenscht.

zu 7a)
fluor bildet keine derivate der fluorige saeure, also des anions FO-
(daher war auch nur nach den drei halogen-(I)saeuren gefragt)
[wegen deiner fussnote X = F, Cl, Br, I ]

7b)
2. gleichung: hier meinst du sicherlich IO4-

zu hypochlorit / H2O2:
hier hat cyanose recht: genau dies geschieht in alkalischer loesung!
OCl- + H2O2 --> [ClO2-] + H2O
[ClO2-] --> Cl- + 1O2 --> Cl- + 3O2 + h*
(das beruehmte "rote leuchten" des singulett-sauerstoffs)

in saurer loesung (also dein verbesserungsvorschlag) haette H2O2 zwar das erforderliche oxidationspotential*) um dem hypochlorit ein leid anzutun, ja, aber bevor es dazu gelegenheit hat, bildet sich dichloroxid und verlaesst die party:
2 OCl- + 2 H+ --> 2 HClO --> Cl2O + H2O
das gebildete dichloroxid ist eher ein sensibelchen, und zerfaellt i.a. unter diesen bedingungen sofort:
2 Cl2O --> 2 Cl2 + O2


gruss

ingo


*)
das redoxpotential des H2O2 ist sehr stark pH-abhaengig

_________________
ein monat im labor erspart einem doch glatt ne viertel stunde in der bibliothek!
Cyanose



Anmeldungsdatum: 27.08.2012
Beiträge: 135
Wohnort: Dresden

BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 18:16    Titel: Antworten mit Zitat

@colonia: Du scheinst etwas Probleme mit den Teilgleichungen einer Redoxreaktion zu haben. Prinzipiell muss bei jeder Reaktionsgleichung folgendes gleich sein:
1. Stoffbilanz (Das scheinst du ja schon zu wissen.)
2. Ladungsbilanz: Summe aller Ladungen auf der Eduktseite muss gleich der Summe aller Ladungen auf der Produktseite sein (unter Berücksichtigung der stöchiometrischen Koeffizienten).

Beispielsweise sind in deiner oben angegebenen Reduktionsgleichung
colonia hat Folgendes geschrieben:

auf der Eduktseite 4 negative Ladungen, während auf der Produktseite keine Ladung mehr auftritt. Elektrische Ladung bleibt aber erhalten und kann daher nicht so einfach verschwinden.

Hierzu kann ich dir z.B. folgendes Buch empfehlen: Atkins - Chemie einfach alles. Da ist das Aufstellen von Teilgleichungen von Redoxreaktionen (im sauren und im basischen Milieu) ziemlich umfassend beschrieben, auch Beispiele sind durchgerechnet. Es gibt aber mit Sicherheit noch andere gute Quellen.

Gruß, Patrick

_________________
derzeit 4. Semester, Chemie, Bachelor
colonia
Gast





BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 18:38    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
zu 6 c)
ein satz zur deutung (spannungsreihe, welche redoxpotentiale sind groesser oder kleiner als der vorgang SO4 + 2 e- --> SO2 + O2- , welche vorgange finden daher statt resp. eben nicht ?) scheint mir ebenfalls gewuenscht.


An die Spannungsreihe habe ich gar nicht gedacht...Ok, dann würde man einfach antworten, dass der Vorgang SO4 + 2 e- --> SO2 + O2- ein größeres Redoxpotential hat als die Vorgnge: 2KX + 2H2SO4- --> X2 + SO2 + K2SO4 + 2H2O

für X=Br, I daher werden die Halogenide oxidiert.

Bei Fluor und Chlor läuft die Reaktion nicht so ab, sondern so:

2KX + 2H2SO4 - --> HX + K2SO4

X=F, Cl hier bleiben die Oxidationsstufen erhalten, es fand weder eine Oxidation noch eine Reduktion statt.

- --> Wie soll man denn diese Reaktion nennen? Eine Redoxreaktion ist sie ja nicht.


Zitat:
zu 7a)
fluor bildet keine derivate der fluorige saeure, also des anions FO-
(daher war auch nur nach den drei halogen-(I)saeuren gefragt)
[wegen deiner fussnote X = F, Cl, Br, I ]


Oo...habe nicht richtig aufgepasst... Hammer


Zitat:
7b)
2. gleichung: hier meinst du sicherlich IO4-


Ist das nicht das Periodat?

Zu hypochlorit / H2O2:

Ok, ich habs verstanden, aber von ganz so alleine wär ich jetzt nicht drauf gekommen...


Eine weitere Frage hätte ich noch...
Macht es einen Unterschied, ob ich Chlor mit kalter oder warmer Natronlauge umsetzte?

Wenn ja...

...würden die Reaktionen stimmen?

bei kalter NaOH-Lösung:

Cl2 + NaOH - --> Cl- + ClO- H+ + Na+

bei warmer NaOH-Lösung:

ich würde sagen, dass es zuerst genauso abläuft wie bei der kalten NaoH-Lösung, nur zerfällt das Hypochlorit

3ClO- - -->ClO3- + 2Cl-

Ist das richtig?


@Cyanose:

Zitat:
Du scheinst etwas Probleme mit den Teilgleichungen einer Redoxreaktion zu haben


Jaa...da hast du Recht...ich versuche auf die Stoffbilanz zu achten, aber den Ladungsausgleich vergesse ich immer.

Ich werde noch (viel) üben smile
Cyanose



Anmeldungsdatum: 27.08.2012
Beiträge: 135
Wohnort: Dresden

BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 18:47    Titel: Antworten mit Zitat

colonia hat Folgendes geschrieben:
2KX + 2H2SO4 - --> HX + K2SO4

X=F, Cl hier bleiben die Oxidationsstufen erhalten, es fand weder eine Oxidation noch eine Reduktion statt.

- --> Wie soll man denn diese Reaktion nennen? Eine Redoxreaktion ist sie ja nicht.

Wie wäre es mit einer Säure-Base-Reaktion nach Brönted: X ist der Protonenakzeptor (Base), H2SO4 der Protonendonator (Säure).

===============

colonia hat Folgendes geschrieben:
Macht es einen Unterschied, ob ich Chlor mit kalter oder warmer Natronlauge umsetzte?

Ja:
kalte Lauge --> Disproportionierung in Chlorid und Hypochlorit
heiße Lauge --> Disproportionierung in Chlorid und Chlorat.

===============

colonia hat Folgendes geschrieben:

@Cyanose:

Zitat:
Du scheinst etwas Probleme mit den Teilgleichungen einer Redoxreaktion zu haben


Jaa...da hast du Recht...ich versuche auf die Stoffbilanz zu achten, aber den Ladungsausgleich vergesse ich immer.

Ich werde noch (viel) üben smile

Das hat bei mir auch etwas gedauert, also nicht verzagen. Ich habe immer versucht, "von einzelnen Gleichungen zu lernen", als mir einen allgemeinen Algorithmus zuzulegen. Als ich mich zu letzterem dann doch durchgerungen habe, wurde ich mit Erfolg belohnt Augenzwinkern

Gruß, Patrick

_________________
derzeit 4. Semester, Chemie, Bachelor
colonia
Gast





BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 19:04    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wie wäre es mit einer Säure-Base-Reaktion nach Brönted: X ist der Protonenakzeptor (Base), H2SO4 der Protonendonator (Säure).


Auf das einfachste komme ich nicht Hammer

Ansonsten vielen Dank an euch, meine Fragen wären jetzt beantwortet smile
Wenn noch etwas unklar bezüglich der Reaktionen sein sollte, werde ich mich nochmal melden smile
magician4
Administrator


Anmeldungsdatum: 05.10.2009
Beiträge: 11716
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 21:01    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Auf das einfachste komme ich nicht

gaaaaaaanz so einfach ist es denn dann doch nicht.....
(der fiese vordiplomspruefer hebt mal wieder sein garstig haupt:)

Lehrer "die staerkere saeure verdarengt die schwaechere saeure aus ihrem salz"

der pKs I der schwefelsaeure ist ~ -3 , der pKs II gar nur noch 1,9
der pKs von HCl betraegt hingegen ~ -6

gem. obigem satz sollte schwfelsaeure also gar nicht in der lage sein, aus z.b. NaCl das HCl gem. 2 NaCl + H2SO4 --> Na2SO4 + 2 HCl anzuknabbern und da das HCl auszutreiben.
es klappt aber trotzdem.
wieso?

ansonsten:
Zitat:
Ok, dann würde man einfach antworten, dass der Vorgang SO4 + 2 e- --> SO2 + O2- ein größeres Redoxpotential hat als die Vorgnge: 2KX + 2H2SO4- --> X2 + SO2 + K2SO4 + 2H2O

1. es ist SO3
2. musst du als "gegenprozess" da nicht die komplette redoxreaktion ins feld fuehren, sondern nur den halbzellenprozess 2 X- --> X2 + 2 e-

Zitat:
Bei Fluor und Chlor läuft die Reaktion nicht so ab, sondern so:
2KX + 2H2SO4 - --> HX + K2SO4

da haste einerseits ne 2 vergessen, andereseits ne 2 zuviel:
2KX + 1 H2SO4 - --> 2 HX + K2SO4

Zitat:
Ist das nicht das Periodat?

doch natuerlich: SO ist das periodat. du hattest es allerdinsg mit 5 sauerstoffen formuliert

Zitat:
Ok, ich habs verstanden, aber von ganz so alleine wär ich jetzt nicht drauf gekommen...

wie Littermann neulich in thread "interhalogenverbindungen" schon andeutete: so ueberschaubar die halogenchemie zu sein scheint, so faktenlastig und lernintensiv ist sie jedoch auf den 2. blick.
es gibt ja soviel wissenswertes...


gruss

ingo

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colonia
Gast





BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 21:46    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
gem. obigem satz sollte schwfelsaeure also gar nicht in der lage sein, aus z.b. NaCl das HCl gem. 2 NaCl + H2SO4 --> Na2SO4 + 2 HCl anzuknabbern und da das HCl auszutreiben.
es klappt aber trotzdem.
wieso?


Hmm... grübelnd
Ich hatte als erstes an das HSAB-Konzept gedacht. Cl- ist eine starke Base und H+ eine starke Säure. Das Sulfat-Anion hat, denke ich, eine nicht so große Ladungsdichte wie das Chlorid. Und die H+-Ionen sind kleiner als Na+-Kationen. Und deshalb sollten HCl und Na2SO4 stabile Salze bzw. Verbindungen ergeben. Aber ob die Vermutung stimmt, bezweifle ich, immerhin sind H+ und Na+ beide harte Säuren.

Zitat:

1. es ist SO3
2. musst du als "gegenprozess" da nicht die komplette redoxreaktion ins feld fuehren, sondern nur den halbzellenprozess 2 X- --> X2 + 2 e-


Und ich hatte mich gewundert, weshalb da SO3 stand....

Zitat:
da haste einerseits ne 2 vergessen, andereseits ne 2 zuviel:
2KX + 1 H2SO4 - --> 2 HX + K2SO4


Oo...was für ein dummer Fehler, jetzt fällts mir auf Hammer


Zitat:
so ueberschaubar die halogenchemie zu sein scheint, so faktenlastig und lernintensiv ist sie jedoch auf den 2. blick.
es gibt ja soviel wissenswertes...


Ja, das habe ich bemerkt...mir ist etwas aufgefallen, was ich mir nicht so ganz erklären kann.

Die Halogenige Säure der Form HO2X existiert nur bei Chlor. Bei den anderen Elementen ist die Verbindung instabil und disproportioniert schnell.

Warum disproportioniert das bei HO2Cl nicht und bei anderen Verbindungen schon? Ich meine wenn es HOI und HO3I gibt, dann müsste man doch annehmen, dass es auch HO2I geben müsste, oder nicht?
magician4
Administrator


Anmeldungsdatum: 05.10.2009
Beiträge: 11716
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 22:32    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich hatte als erstes an das HSAB-Konzept gedacht.(...)

du benutzt das HSAB konzept korrekt in der argumentation, und kommst auch zu einer mit dem faktischen ergebnis harmonischen alalyse.

das problem: wenn du statt ueber natriumchlorid ueber natriumperchlorat vs. schwefelsaeure nachdenken wuerdest, sollte sich dieser argumentation zufolge sulfat (2 negative ladungen) als das haertere anion gegenueber perchlorat (1 negative ladung, ~ gleicher ionenradius wie sulfat) herausstellen, somit natriumperchlorat also durch schwefelsaeure nicht angreifbar sein.
perchlorsaeure hat sogar einen noch brutaleren pKs von ~ - 10

... und trotzdem kann heisse konz. schwefelsaeure natriumperchlorat zerknabbern:
Zitat:
Perchlorsäure wird durch Zugabe von starken Säuren, z. B. Schwefelsäure, aus ihren Salzen, z. B. Kaliumperchlorat freigesetzt.

aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Perchlors%C3%A4ure

--> in diesem falle liefert die HSAB analyse also eine falsche prognose
--> die HSAB-analyse ist hier also an der grenze ihrer anwendbarkeit angelangt, und es stellt sich daher die berechtigte frage, ob sie eben darueber hinaus nicht nur lediglich zufaellig NaCl / H2SO4 korrekt prognostiziert hat, in wirklichkeit aber auch dort bereits nicht mehr zustaendig ist.
(genau diese ist der fall)


soderle, wenn HSAB also nicht der schluessel zum verstaendnis ist, was koennte es dann sein?
tip: denk mal an konz. HClwaessr. , und warum die wohl mit max. 40% w/w in den handel gelangt...

Big Laugh


gruss

ingo

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colonia
Gast





BeitragVerfasst am: 04. Sep 2012 23:14    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
soderle, wenn HSAB also nicht der schluessel zum verstaendnis ist, was koennte es dann sein?


Ich habs raus Big Laugh

HCl und die von dir als zweites Beispiel angeführte Perchlorsäure sind flüchtige Säuren und H2SO4 nicht.

Lehrer Die Reaktionen sind Beispiele für die Freisetzung einer flüchtigen Säure aus einer nichtflüchtigen Säure.

--> H2SO4 hat einen hohen Siedepunkt, während HCl und und Perchlorsäure einen niedrigen haben

--> sie entweichen gasförmig, wodurch sich das Gleichgewicht auf die Seite der Produkte verlagert, nämlich auf die Seite von HCl und Perchlorsäure, auch wenn dies nicht mit der Aussage, eine stärkere Säure verdränge eine schwächere Säure aus ihrem Salz, stimmt.
magician4
Administrator


Anmeldungsdatum: 05.10.2009
Beiträge: 11716
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 05. Sep 2012 00:26    Titel: Antworten mit Zitat

Ansage tatatataaaaaaaaaaaaaaa !!!

(tusch)

Rock yeah, genauso ist es


Thumbs up!


gruss

ingo

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magician4
Administrator


Anmeldungsdatum: 05.10.2009
Beiträge: 11716
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 05. Sep 2012 07:54    Titel: Antworten mit Zitat

nachtrag:
Zitat:
Ja, das habe ich bemerkt...mir ist etwas aufgefallen, was ich mir nicht so ganz erklären kann.

Die Halogenige Säure der Form HO2X existiert nur bei Chlor. Bei den anderen Elementen ist die Verbindung instabil und disproportioniert schnell.

Warum disproportioniert das bei HO2Cl nicht und bei anderen Verbindungen schon? Ich meine wenn es HOI und HO3I gibt, dann müsste man doch annehmen, dass es auch HO2I geben müsste, oder nicht?

eine ziemlich interessante frage...

... zu der ich aber auch nur eher spekulieren kann

meine spekulation:
wenn man sich mal die hoeheren halogensauerstoff-saeuren ansieht, dann stehen die alle vor einem gemeinsamen problem: die sind alle hypervalent
(beispiel anionen:)
XO2- : O=X-O- ; X = (+III) : 10e-umgebung um X
XO3- : (O=)2X-O- ; X = (+V) : 12e-umgebung um X
XO4- : (O=)3X-O- ; X = (+VII) : 14e-umgebung um X
(die anionen der der ortho-periodsaeure lass ich mal weg, sonst wirds zu kompliziert: das allein ist schon ein thema fuer sich, passt aber in meine spekulation nahtlos rein)

da diese systeme moderner bindungstheorie zufolge keine d-orbitale mitbenutzen (oder wenn dann nur geringanteilig: das ist dann aber QM-berechnung) muessen die loesungen fuer dieses problem also irgendwie anders aussehen.
im konkreten verargumentiert man sowas diesertage mit z.b. 3-zentren-2-elektronenbindungen ("3z2e").
damit sowas klappt, muessen die 3 partner O-X-O aber in einer bestimmten geometrie zueinander stehen, damit alle beteiligten orbitale an den 3 atomen zueinander geometrisch korrekt ausgerichtet sind: dies scheint bei den X-iten und per-X-aten jedoch besonders schwierig zu sein.
musst du auch noch ein proton festhalten, so hat die O-X-OH situation wiederum sogar noch verschaerftere ansprueche (der -OH sauerstoff kann mit seinen freien elektronenpaaren nicht mehr nach belieben rumspielen, da eines mit der bindung zum H beschaeftigt ist, was effekte in their own right hervorruft). --> daher sind von manchen sachen die anionen, nicht jedoch die freien saueren bekannt.

weiterhin: eine 3z2e - bindung ist eh schon nicht das gelbe vom ei (das MO ist gross --> die ueberlappungsintegrale eher klein --> bindung ist schwach). wird nun auch noch der abstand
O X O vergroessert, so treagt dies weiterhin zur bindungsschwaechung bei: lange bindungen sind lausige bindungen.
und je groesser das halogen ist...


--> chlor ist also noch klein genug, um trotz problematischer geometrie der betreffenden oxidationsstufen sogar noch die beiden freien saeuren zu stabilisieren. brom und iod sind hingegen einfach schon von haus aus zu breit um eine eh schon problematische geometrie dann auch noch zusaetzlich in elektronischer asymmetrie zu halten.


so in etwa denke ich ist der hintergrund

... und selbst mein HoWi sagt dazu nix genaueres net.

aber vielleicht hat ja jemand ne ganz brandaktuelle auflage der bibel zurhand in der dieses thema denn dann doch aufgegriffen wird, oder weiss ansonsten genaueres


gruss

ingo

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Zuletzt bearbeitet von magician4 am 05. Sep 2012 20:59, insgesamt einmal bearbeitet
colonia
Gast





BeitragVerfasst am: 05. Sep 2012 20:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ok, klingt verständlich, ich fasse mal zusammen:

Die Halogensauerstoffsäuren sind Hypervalente-Verbindungen, deren Beschreibung durch Mehrzentrenbindungen wie z.B. der 3-Zentren-2Elektronenbindung beschrieben werden kann.
Damit die 3z2e zustande kommen kann, müssen die AOs der Atome eine bestimmte Geometrie haben, denn sie müssen sich ja irgendwie überlappen. Wenn die Atome größer werden, ist es schwiereiger, bzw. das Überlappungsintegral kleiner und die Verbindung instabil. Weiter existieren einige Verbindungen nur als Anionen, da z.B. die Protonen an den O-Atomen stören können.

Im HOWI hab ich jetzt auch nicht eine Begründung auf diese Frage gefunden, aber wenn ich deine Spekulation so richtig verstanden habe, klingt sie zienlich nachvollziehbar.
magician4
Administrator


Anmeldungsdatum: 05.10.2009
Beiträge: 11716
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 05. Sep 2012 21:24    Titel: Antworten mit Zitat

ja, deine zusammenfassung ist korrekt

aber wie gesagt, behalte bitte im hinterkopf dass dies meinerseits ein "educated guess" ist


gruss

ingo

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colonia
Gast





BeitragVerfasst am: 06. Sep 2012 20:34    Titel: Antworten mit Zitat

Okey, ich werde deine Spekulation im Hinterkopf behalten.

Vielen Dank, dass du dir Zeit für meine Fragen genommen hast smile

lg
colonia
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