| Autor |
Nachricht |
Tobi Gast
|
Verfasst am: 01. Jan 2012 18:13 Titel: Schwefeltrioxid Lewis-Formel |
|
|
Meine Frage:
Die Lewisformel von SO3 soll bestimmt werden. In Wikipedia ist die Formel gegeben, dass jedes Sauerstoff eine Doppelbindung zum O ausbildet.
Wir haben aber in der Uni gelernt, dass Elemente der 3. Periode keine Doppelbindungen ausbilden. Explizit wurde auch der Stoff Schwefel genannt.
Meine Ideen:
Kann man auch die Formel verwenden, in der jedes O eine Einfachbindung zum S bildet? Jedes O wäre dann einfach negativ geladen und der Schwefel 3fach positiv. Die Oktettregel ist dann zwar verletzt, aber in der 3. Periode ist das ja auch nicht unüblich.
Danke für euer Feedback:) |
|
 |
magician4 Moderator

Anmeldungsdatum: 05.10.2009 Beiträge: 5837 Wohnort: Hamburg
|
Verfasst am: 01. Jan 2012 19:53 Titel: |
|
|
| Zitat: | | Wir haben aber in der Uni gelernt, dass Elemente der 3. Periode keine Doppelbindungen ausbilden |
ich halte diese aussage in ihrer pauschalitaet schlicht fuer falsch, genau wie die aussage dass diese elemente keine d-orbitale fuer bindungen benutzen wuerden: SO2 hat mit den bindungswinkeln von 120° sicherlich eine sp2 - hybridisierung am schwefel (--> 1 S=O doppelbindung, mesomerstabilisiert mit S+-O-) , genau wie SF6 (oktaeder-geometrie) zweifellos d2sp3 hybridisiert ist.
sicherlich macht z.b. schwefel sowas ungern und bevorzugt ander loesungen wenn machbar (DMSO z.b. ist sicherlich nicht O=S(CH3)2 sondern -O-S+(CH3)2 (wg. tetraedrischer bau) , und sulfat eben nicht (O=)2S(O-)2 sondern (+II)S(-O-)4 ), aber voellig ausgeschlossen ist sowas eben auch nicht: es kommt auf den einzelfall an.
--> es ist oft sinnvoll sich im zweifel die molekuelgeometrie anzusehen, und diese rueck-zu interpretieren, resp. quantenmechanische kalkulationen zu rate zu ziehen
speziell beim SO3 verraet uns der trigonal-planare bau , dass der schwefel dort sp2 hybridisiert ist: das unhybridisierte p-orbital steht fuer eine delokalisierte pi-bindung zur verfuegung, die mesomer ueber alle drei sauerstoffe verteilt ist:
--> schwefeltrioxid: O=S(+II)(O-)2
d.h. eine mehrzentrenbindung vom pi-typ .
aeltere literatur die hier eine beteiligung von d-orbitalen (auch damit waere eine trigonal-planare hybridisierung konstruierbar) konstatiert, haelt m.w.n. neueren quantenmechanischen berechnungen nicht stand: die beteiligung von d-orbitalen ist her vernachlaessigbar gering weil energetisch zu aufwendig gegenueber den alternativen
gruss
ingo _________________ ein monat im labor erspart einem doch glatt ne viertel stunde in der bibliothek! |
|
 |
Caipi Gast
|
Verfasst am: 01. Jan 2012 20:00 Titel: |
|
|
Kann meinem Vorredner da nur zustimmen, die Aussage ist so pauschal sehr grenzwertig. Das MO-Schema und eine Beschreibung der Bindungsverhältnisse sind auch im aktuellen Riedel-Janiak zu finden. Einfach "riedel janiak so3 mo schema" bei Google eingeben und das erste Suchergebnis anklicken. Die beiden betreffenden Seiten sind frei auf Google-Books einsehbar.
Gruß Caipi |
|
 |
Tobi Gast
|
Verfasst am: 01. Jan 2012 22:50 Titel: |
|
|
|
Danke für die Hilfe. Der Tip mit der Geometrie ist sehr gut und einleuchtend:) |
|
 |
Tobi Gast
|
Verfasst am: 01. Jan 2012 23:01 Titel: |
|
|
|
Aber wenn Schwefel sp2 hybridisiert ist, geht er doch nur eine Doppelbindung ein oder? Dann wäre die Formel falsch, dass Schwefel 3 Doppelbindungen eingeht. |
|
 |
magician4 Moderator

Anmeldungsdatum: 05.10.2009 Beiträge: 5837 Wohnort: Hamburg
|
Verfasst am: 01. Jan 2012 23:54 Titel: |
|
|
es gibt fuer das schwefeldioxid / schwefeltrioxid keine perfekte lewis-schreibweise, sondern nur solche die sehr falsch, oder solche die deutlich weniger falsch sind. S(=O)3 gehoert fuer mich zweifelsfrei in die erste kategorie.
ansonsten hast du die wahl ob du sowas
-O- S(+I)(R)x
als S=O doppelbindung akzeptierst (denn es ist mit O=S(R)x mesomer ), und dann haettest du in der tat drei davon , oder nicht...
... und das ist dann eine fast schon philosophische frage
ich persoenlich bevorzuge "mehrzentrenbindung", vermeide mithin den eh fruchtlosen diskurs, und guck mir stattdessen das MO davon an, das ist problemfrei.
ich muss ja auch beim z.b. benzol mir nicht schlaflose naechte darueber machen ob das zwischen den C's da nun einfach - oder doppelbindungen sind: das ist halt ein aromatisches bindungssystem
...und SO3 ist halt ein mehrzentren-bindungssystem.
--> ich hab da kein problem damit
chemisch verhaelt sich schwefeltrioxid zumindet so, als wuerde es mutter natur wenig kuemmern dass wir bauchschmerzen damit haben, dass wir kein einfaches bild von ihr zeichnen koennen: drei schwefel-sauerstoffbindungen, und gegenueber normalen schwefel-sauerstoff-bindungen deutlich verkuerzt, mithin "mehrfachbindungs-haft"
... die macht das einfach so.
gruss
ingo _________________ ein monat im labor erspart einem doch glatt ne viertel stunde in der bibliothek! |
|
 |
|