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referat buttergelb
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leonie.
Gast





BeitragVerfasst am: 16. Dez 2011 14:37    Titel: referat buttergelb Antworten mit Zitat

Meine Frage:
hallo,
ich muss in chemie ein referat über buttergelb halten..so ich bin jetzt momentan bei der heutige verwendung...
buttergelb oder auch methlygelb wird als indikator benutzt

Meine Ideen:
es erfolgt ja ein farbumschlag von gelb nach rot
und das ist ja eine säure also muss ja ein protonabgegeben werden
verschieben sich die doppelbindungen deswegen?
und reicht das als erklärung?
könnte mir das jemand nochmal genauer erklären?
magician4
Moderator


Anmeldungsdatum: 05.10.2009
Beiträge: 5837
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 16. Dez 2011 17:20    Titel: Antworten mit Zitat

es ist schwierig deine frage wissenschaftlich korrekt zu beantworten, ohne dabei weit, weit, weit ueber das schulniveau hinaus zu gehen: wir muessten in so komische begrifflichkeiten wie "HoMo-LuMo-energieabstand" eintauchen, die strukturellen gruende fuer den energieabstand analysieren, und diese analyse auf deine substanz anwenden.

ich mag dir gleichwohl eine entsprechend moderne erklaerung nicht komplett vorenthalten, und du kannst da ja gern mal reinlinsen wenn du magst:
http://www.u-helmich.de/che/13/farbe/01/seite1-02.html

fuer dich besonders interessant aus diesem artikel ist eine graphik ziemlich am ende der seite:
http://www.u-helmich.de/che/13/farbe/bilder/112.jpg

...aus der man ~ folgende vereinfachte faustregel ableiten koennte: je laenger ein konjugiertes system ist, desto rotverschobener ist das licht, welches es absorbiert (= desto energieaermer kann das licht sein welches schon ausreicht, ein elektron von LuMo nach HoMo zu kicken): von hochenergetischem ultravioletten licht bei ethan(-derivaten) , ueber "gelb" (fuer 10 konjugierte doppelbindungen) bis rot (fuer 14) [der trend setzt sich weiter fort]

diese regel laesst sich erweitern ueber die poly-ene hinaus, allgemein, auf konjugierte doppelbindungssysteme, also auch auf methylgelb

wichtig ist speziell hierbei die frage, inwieweit die aminogruppe des methylgelb an der "laenge" des konjugierten systems beteiligt ist, und was dann aber passiert, wenn diese aminogruppe protoniert wird

dazu folgende vorueberlegung:
ein amin kann in mesomerer resonanz zu einem aromatischen system dreibindig oder vierbindig sein (hier am beispiel des anilins):
http://www.jagemann-net.de/aromaten/files/mesomerie_anilin.gif
(du erkennst die situation am rechten ende von buttergelb strukturell wieder: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/b/b3/Methylgelb.png/800px-Methylgelb.png)

fuer schulnivaeu, und in vereinfacht, liegt die "wahre laenge des anilinsystems" irgendwo in der mitte seiner mesomeren formen, beinhaltet also einen gewissen prozentsatz"groesse des systems", bei dem eine doppelbindung zwischen dem stickstoff und dem aromatischen system anliegt, das gesamte mesomere system also den stickstoff als H2N+=C - struktur mit einschliesst (=mithin groesser ist als jedes system, welches den stickstoff nicht mit einschliesst)

nimmst du dem system nun aber die moeglichkeitden stickstoff mit einzubeziehen, indem du ihn (zwangsweise, durch den aeusseren pH) protonierst (denn dann IST er durch die protonierung zu H3N+-C ja bereits vierbindig, und mehr kann er nicht), dann ist feierabend mit dem anteil "durch mesomerie vergroesserter resonanzraum", und die farbe aendert sich

dies genau geschieht beim farbunmschlag zwischen 3 und 4: das amin wird protoniert und darf nicht mehr mitspielen, und daher aendert sich die wellenlaenge bei dem das "kastrierte" restsystem dann licht absoprbieren kann: --> die farbe aendert sich


so, das war jetzt der versuch das ganze auf schulniveau runterzubrechen, und ich hoffe es ist dadurch halbwegs verstaendlich geworden, und trotzdem nicht allzu falsch

gruss

ingo

hinweis: beim methylgelb liegen die dinge etwas komplexer, da nicht nur die -NH2 gruppe protoniert werden kann, sondern auch die -N=N- struktur in der mitte (was bei azofarbstoffen der eigentlich viel wichtigere grund fuer die farbaenderung ist)
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/5d/Methyl_red_indicator.svg/755px-Methyl_red_indicator.svg.png
das aendert aber am zugrundeliegenden prinzip nix

"so einfach wie moeglich, aber nicht einfacher !" (A.Einstein)

_________________
ein monat im labor erspart einem doch glatt ne viertel stunde in der bibliothek!
leonie.
Gast





BeitragVerfasst am: 17. Dez 2011 13:50    Titel: Antworten mit Zitat

ok, danke, dass habe ich verstanden smile
das mit homo und lumo muss ich aber eh noch lernen, weil wir nächste woche noch einen test schreiben.. muss mich da aber erst noch reinarbeiten..
unser thema ist ja (glaube ich) aromate und dann mittlerweile farbigkeit
mein lehrer fragt aber immer nach den typischen merkmalen eines aromaten..
jetzt wollte ich in meinem referat als erstes die strukturformel zeigen und daran zeigen, was typische merkmale sind:
es gibt zwei cycliysche systeme, in diesem fall benzolringe
es gibt im ring konjugierte doppelbindunge
die atome sind sp2-hybridisiert, somit planar

so jetzt kommt mein problem: die hückel-regel!!
ich zähle 7 doppelbindunge, damit wäre das ganze ja gar kein aromat unglücklich

habe ich hier einen denkfehler?
SaPass



Anmeldungsdatum: 18.11.2009
Beiträge: 1476

BeitragVerfasst am: 17. Dez 2011 13:56    Titel: Antworten mit Zitat

Von welchem Molekül reden wir denn (mit den 7DB)?
Anthracen?
Das Molekül hat 7 DB und erfüllt die Hückel-Regel (4n+2 π-Elektronen --> 3*2+2 = 14 Elektronen --> 7DB)
leonie.
Gast





BeitragVerfasst am: 17. Dez 2011 14:05    Titel: Antworten mit Zitat

ne, von buttergelb
oder auch dimethylgelb
oder auch methylgelb
und die anderen namen habe ich vergessen Big Laugh
aber jetzt versteze ich die hückelregel...
da stand ich ja mal mega auf dem schlauch unglücklich
ich dachte immer die anzahl der dp entspricht der hückelregel..aber ich muss das ja nochmal mal 2 nehmen...
danke trotzdem Big Laugh
magician4
Moderator


Anmeldungsdatum: 05.10.2009
Beiträge: 5837
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 17. Dez 2011 16:26    Titel: Antworten mit Zitat

wenn wir nochmals uns diese zeichnung als diskussionsgrundlage heranziehen:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/5/5d/Methyl_red_indicator.svg/755px-Methyl_red_indicator.svg.png

und nur ueber die ganz linke darstellungsweise reden, dann hast du da zwei sechsecke (= benzol-grundkorper), und in den sechsecken jeweils drei doppelbindungen eingezeichnet

alles weitere was da an den sechsecken "aussen" noch so rumbammelt: vergiss es einfach

3 doppelbindungen = 3*2 pi elektronen = 6 pi-elektronen
6 ist aber hueckel "4n + 2" fuer n=1
--> beide sechsecke sind hueckel-aromaten


gruss

ingo

hinweis: wenn du den ganzen "anhang" an und zwischen den sechsecken noch mit einbeziehen willst - was ja irgendwie logisch waere, denn es handelt sich ja eigentlich um EIN durchgehend konjugiertes system - muesstest du mit einem deutlich erweitereten begriff von "aromatizitaet" arbeiten, und da laesst hueckel dich schnell dramatisch im stich wenns dumm laeuft
[ du analysierst dann bespielsweise die zentrale -N=N- struktur als "zweiring" mit einem pi-elektronenpaar, also hueckel fuer n=0, und erhaeltst als aequivalenten resonanzkoerper-"ersatz" dann das bild des 1,4diphenylbenzols ]

eine sehr ausfuehrliche diskussion zur problematik des aromatizitaetsbegriffs - sicherlich ebenfalls weit ueber die schule hinausgehend - findest du in diesem thread verlinkt:
http://www.chemikerboard.de/topic,10120,-hueckel--regel.html
in meinem dortigen beitrag unter "etwas mehr literatur" ...
... nur falls du meganeugierig bist wie das modern diskutiert wird

_________________
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SaPass



Anmeldungsdatum: 18.11.2009
Beiträge: 1476

BeitragVerfasst am: 17. Dez 2011 17:20    Titel: Antworten mit Zitat

magician4 hat Folgendes geschrieben:
es ist schwierig deine frage wissenschaftlich korrekt zu beantworten, ohne dabei weit, weit, weit ueber das schulniveau hinaus zu gehen

Mich würde vor allem der Teil weit über dem Schulniveau interessieren smile
Bei einem linearen pi-Elektronensystem kann mans vermutlich über den eindimensionalen Kasten nähern. Das würde ich zumindest bei einem solchen Farbstoff tun.
Aber welchen Ansatz würdest du für Methylrot empfehlen?
magician4
Moderator


Anmeldungsdatum: 05.10.2009
Beiträge: 5837
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 17. Dez 2011 18:21    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
(...)Aber welchen Ansatz würdest du für Methylrot empfehlen?


das haengt davon ab, wieweit du dich wirklich vom wahnsinn umzingeln lassen moechtest.
um das ganze wirklich zu erfassen musst du solche systeme quantenmechanisch rechnen (was oft zu verwirrend schwer interpretierbaren ergebnissen fuehrt) oder semiempirisch dann gemessene HoMo-LuMo-abstaende mit der QM kombinieren, so wie hier fuer einige ausgewaehlte azo-farbstoffe (danach hattest du ja speziell gefragt) publiziert:

http://pubs.acs.org/doi/abs/10.1021/ci049941b
(abstract: hier , mit weiterfuehrendem interessanten literaturanhang)

du solltest sodann auch nicht vergessen, dass du es in der praxis selten mit dem (rechnerisch) isolierten molekuel in der gasphase zu tun hast, sondern speziell bei indikator-farbstoffen ja stets irgendwas in solvolytischer matrix, was auch noch so seinen einfluss hat:
http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1386142500004169

... und wenn man sich diesen aufriss dann mal genuesslich auf der zunge zergehen laesst...
--> chemie wird wohl noch lange eine eigenstaendige, empirielastige wissenschaft bleiben, und auf absehbare zeit wohl nicht zu einem appendix der voll-computerisiert physikalisch rechnenden gemeinde verkommen, eine unterabteilung des instituts fuer theroretische physik quasi

gruss

ingo

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SaPass



Anmeldungsdatum: 18.11.2009
Beiträge: 1476

BeitragVerfasst am: 17. Dez 2011 18:57    Titel: Antworten mit Zitat

Danke, ich werde es mir mal ansehen.

magician4 hat Folgendes geschrieben:
... und wenn man sich diesen aufriss dann mal genuesslich auf der zunge zergehen laesst...
--> chemie wird wohl noch lange eine eigenstaendige, empirielastige wissenschaft bleiben, und auf absehbare zeit wohl nicht zu einem appendix der voll-computerisiert physikalisch rechnenden gemeinde verkommen, eine unterabteilung des instituts fuer theroretische physik quasi

Da muss ich immer an unser PC-Seminar denken. "Wir können IR und Raman-Spektren vorherberechnen, es bringt uns nur nicht viel, weil es nicht genau genug ist."
Bsp: Der starre Rotator bringt dich eben nicht weit, da muss mindestens der rotierende Oszillator her. (bei Rotations-Schwingungs-Spektren).
Ich finde es außerdem interessant, dass du "institut für theoretische physik" schreibst. Da wir ja hier Chemie studieren, hieß das Fach natürlich "Theoretische Chemie". Und da gings in erster Linie um die Schrödingergleichung. Und wenn man sich mal den Wikipediaartikel zur Schrödinger-Gleichung anschaut, liest man dort: "Dieser Artikel wurde auf der Qualitätssicherungsseite des Portals Mathematik eingetragen.".
Inwiefern ist das, was wir hier machen, noch Chemie?
magician4
Moderator


Anmeldungsdatum: 05.10.2009
Beiträge: 5837
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 17. Dez 2011 19:03    Titel: Antworten mit Zitat

alle wissenschaft ist eins... wir attakieren die torte nur von verschiedenen seiten und auf verschiedenen ebenen...

... was aufgrund der dazwischenliegenden emergenz wohl auch sehr sinnvoll ist: du kannst einen menschen so lange du willst biochemisch analysieren, die "gesetze" der weltwirtschaft wirst du nicht in ihm finden
und mit den anderen sachen ists halt genauso, mal mehr, mal weniger deutlich ausgepraegt

gruss

ingo

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